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FT vom 21.08.2012
Keine echte Jagd auf Tiere

Artikel im Fränkischen Tag

 

Keine echte Jagd auf Tiere

SCHIESSSPORT Der Steinsdorfer Ralf Kolb ist deutscher Meister und wirbt für das „3D-Bogenschießen“. Die Ziele sind Tierattrappen in Wald und Flur.

von unserer Mitarbeiterin JUDITH RINKLEF

Steinsdorf – Ralf Kolb ist Bogenschütze. Und was für einer! 2011 und 2012 wurde der Steinsdorfer bayerischer Meister und vor wenigen Tagen sogar deutscher Meister im „3D-Bogenschießen“.

Deutscher Meister 2012 Ralf Kolb beim Anvisieren eines Zieles
Ralf Kolb visiert das Ziel an. Foto: Ronald Rinklef

Bei dieser Disziplin schießen die Schützen nicht auf Scheiben, sondern auf dreidimensionale Objekte, die ohne Entfernungsangaben als Ziele in Wald und Flur stehen. Bei Meisterschaften werden fast ausschließlich lebensgroße Kunststoff-Tieratrappen verwendet. Der Schütze erreicht sie auf einem besonders markierten Weg, der streng eingehalten werden muss. Nur so ist die Sicherheit der anderen Schützen gewährleistet. Denn sowohl Lauf-, als auch Schussrichtung sind vorgegeben. Geschossen wird von einem Pflock aus, der zusammen mit dem dazugehörigen Ziel eine Station darstellt.

Die Tierattrappen sind aus einem Spezialmaterial gearbeitet, das wetterbeständig ist und dessen Poren sich nach einem Treffer wieder gut verschließen. So können auch die Ziele auf dem Übungsgelände jahrelang in Gebrauch bleiben.

Es gibt die verschiedensten Bogenarten. Unter anderen: Langbögen, Recurvebogen, „Primitivbogen“ und mehrere High-Tech-Varianten. Alle sind mehr oder weniger schwungvoll gebogen, aus einem oder mehreren Materialien oder Holzarten zusammengesetzt und können mit verschiedenen Werkstoffen beschichtet sein.

Die meisten Bogen sind von Bogenbauern in Handarbeit gefertigt und kosten zwischen 70 und 2000 Euro. Die Pfeile, aus Holz, Aluminium oder Carbonmaterial und alle mit Metallspitze, sind da viel günstiger: Sie kosten zwischen fünf und acht Euro. „Aber Pfeile sind bei Bogenschützen Verschleißmaterial“, erklärt der deutsche Meister. „Am Anfang kaufen sich viele fünf, höchstens sechs Pfeile und wundern sich, wenn sie nach einem Training ganz ohne Pfeile nach Hause gehen.“ Denn so eifrig viele auch suchen, so groß die Chancen eigentlich auf dem Gelände sind, einen „verschossenen“ Pfeil wiederzufinden: „Ab und zu müssen auch Profis den einen oder anderen Pfeil dem Pfeilgott opfern“, sagt Ralf Kolb mit einem Augenzwinkern.

Er ist der Vorsitzende des Vereins 3D-Jagd e.V. Traditionelle Bogenschützen und sehr auf die Wahrung der Vorschriften bedacht. Obwohl 3D-Bogenschützen eine Jagd simulieren, würden sie niemals auf ein lebendes Tier schießen. Im Gegenteil: „Wenn ich erfahre, dass einer meiner Vereinskollegen ein lebendes Tier mit Pfeil und Bogen gejagt hat – und sei es im Ausland – wird er sofort ausgeschlossen“, berichtet Kolb. Erst vor kurzem lehnte er zwei Bewerber ab, von denen er wusste, dass sie schon an Jagden mit Pfeil und Bogen teilgenommen hatten. „Denn wir stehen auch zu unserem Leitsatz auf unserer Homepage: Das Töten von Lebewesen mit dem Bogen gehört für uns nicht zu den Elementen des Bogensports und wird von uns abgelehnt“, erklärt er.

Deutscher Meister 2012 Ralf Kolb zeigt ein 3D-TierDer deutsche Meister Ralf Kolb zeigt eins der „3D-Ziele“. Foto: Ronald Rinklef

Seit neun Jahren ist Kolb diesem außergewöhnlichen Sport treu, den er auf verschiedenen Turnieren und Orten ausübt. Begonnen hat alles auf einem Mittelaltermarkt, wo Kolb seinen ersten Bogen kaufte. „Für Interessierte ist das Kennenlernen dieses Sports in einem Verein aber viel besser“, sagt Kolb. Das 3D-Bogenschießen entwickelte sich aus dem Jagdschießen, das immerhin auf eine 14 000 Jahre alte Tradition zurückblicken kann. Mittlerweile gibt es alleine in Deutschland 350 Tourniere pro Jahr in dieser Disziplin und der Sport wird immer attraktiver.

Während es auch im Bogensport zu Mitgliederrückgängen kommt, boomt der 3D-Sport. Turniere mit bis zu 300 Startern sind nicht mehr selten. Wer ihn einmal ausprobieren möchte, kann dies gerne tun: An jedem letzten Sonntag im Monat gibt es ein Schnupperschießen auf der Wald-Wiese am Fuße des Steigerwaldes.

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